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Deutschland ist bekannt als Leistungsgesellschaft und der Begriff „Workaholic“ hier meist sogar als eine Art Kompliment gemeint für die Disziplin, Leistung und Zeit, die man in seine Arbeit steckt. Aber, dass es ein reales Problem sein kann unter einer Arbeitssucht zu leiden, ein richtiger Workaholic zu sein, ist den meisten bei Verwendung des Wortes nicht bewusst.

Hierzulande scheint dies sogar weitverbreiteter zu sein als gedacht mit ca. 9,8% betroffenen Erwerbstätigen in Deutschland. Bedeutet also, dass jeder Zehnte Arbeitende unter diesem Problem und dessen Folgen leidet. Die Verbreitung kann in Abhängigkeit von verschiedenen Faktoren unterschiedlich stark ausfallen.

Nach soziodemografischen Merkmalen ist suchthaftes Arbeiten bei Männern und Frauen ungefähr gleich ausgeprägt. Frauen sind ein wenig häufiger betroffen (10,8%), als Männer (9%). Betrachtet man die Altersgruppen lässt sich feststellen, dass gerade junge Erwachsene von 15 bis 24 Jahren öfter an Arbeitssucht leiden (12,6%), als ältere Erwerbstätige (7,9%). Alleinstehende mit einem oder mehreren Kindern sind ebenfalls etwas häufiger von Arbeitssucht betroffen (11.9%) im Vergleich zu alleinlebenden Erwerbstätigen (8.9%). Es gibt sowohl keine Zusammenhänge zwischen dem Bildungsniveau und suchthaftem Arbeiten als auch zwischen sozialen Gruppen und Arbeitssucht.

Ebenso zu unterscheiden kann man nach Beschäftigungsmerkmalen. Dort hat der Faktor Zeit einen großen Einfluss auf die Verbreitung von Arbeitssucht. Liegt eine Wochenstundenzeit von über 40 Stunden vor, so ist eine Arbeitssucht stärker verarbeitet mit 11,1%. Sind es nur 10 bis 20 Stunden in der Woche, so sinkt der Anteil auf 7,2%. Außerdem kommt es unter Selbstständigen häufiger vor, dass diese unter Arbeitssucht leiden (13,9%).

Dies unterstreichen auch die Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen suchthaftem Arbeiten und der vorliegenden Führungsverantwortung. Mit Führungsverantwortung liegt eine Arbeitssucht bei 12,4% der Erwerbstätigen vor im Vergleich zu anderen Arbeitnehmenden (8,7%). Je höher die Führungsebene ist, desto stärker ist suchthaftes Arbeitsverhalten auch ausgeprägt. So leiden in den oberen Führungsebenen 16,6% der Erwerbstätigen unter dieser Last.

Betriebsmerkmale haben ebenfalls einen Einfluss auf die Verbreitung von suchthaftem Arbeiten. So findet man in kleineren Betrieben (<10 Beschäftigte) häufiger arbeitssüchtiges Verhalten (12,3%), als in Betrieben mit mehr als 250 Beschäftigten (8,3%). In größeren Betrieben gibt es meist mehr Regelungen für die Ausübung der Arbeit.

Ein Betriebsrat kann zum Beispiel dazu beitragen ein Arbeitsumfeld zu schaffen, indem es durch die geregelten Rahmenbedingungen kaum möglich ist in arbeitssüchtiges Verhalten zu entwickeln. Regelungen über Mehrarbeit, Überstunden oder den Umfang von Arbeit im Homeoffice können dem entgegenwirken. Dies zeigen auch die Zahlen. Besitzt ein Betrieb einen solchen Rat sind nur 8,7% betroffen. Ohne einen Betriebsrat ist arbeitssüchtiges Verhalten unter Erwerbstätigen stärker verbreitet mit 11,9%.

Der wohl greifbarste Faktor, den man im Zusammenhang mit der Verbreitung von Arbeitssucht betrachten kann, sind die verschiedenen Berufsbereiche.

In den Zeiten der digitalen Welt und Social Media ist es vor allem für die in dieser Branche arbeitenden Menschen schwierig abzuschalten. Content Creator*innen zum Beispiel haben meist ihr Hobby zum Beruf gemacht und leben regelrecht für ihre Arbeit. Sie investieren die ganze Zeit ihres Tages und fühlen sich schlecht oder nicht gut genug, sobald sie mal keinen Content produzieren oder andere produktive Sachen für ihren Kanal erledigen. Dazu kommt, dass keine räumliche Trennung vorliegt, denn die Arbeit erfolgt von zuhause aus. Es wird schwer mal abzuschalten und nichts zu tun, klare Arbeitszeiten festzulegen oder einfach mal nur Urlaub zu machen und im Falle von Content Creator*innen das Handy mal wegzulegen.

Verstärkt von Arbeitssucht betroffen sind zusammenfassend also:

  • Junge Erwerbstätige (15-24 Jahre) – 12,6%
  • Selbstständige – 13,9%
  • >40 Wochenstunden – 11,1%
  • Erwerbstätige in oberen Führungsebenen – 16,6%
  • Erwerbstätige in kleinen Betrieben (<10 Beschäftigte) – 12,3%
  • in Betrieben ohne Betriebsrat – 11,9%
  • Landwirte

In Zukunft sollte noch mehr zu den Folgen von Arbeitssucht geforscht werden und mehr darauf geachtet werden. Menschen bzw. Erwerbstätige sollten vermehrt über das Thema aufgeklärt und sensibilisiert werden, um eine stärkere Achtsamkeit zu entwickeln und das eigene Arbeitsverhalten besser reflektieren zu können.

Was Arbeitgeber- und Arbeitnehmer*innen tun können, um einer Arbeitssucht entgegenzuwirken, lesen Sie im nächsten Beitrag.

Falls Sie wissen wollen, ob Sie an Arbeitssucht leiden könnten, schauen Sie sich gerne unseren letzten Beitrag an: https://symathisch-digitalisieren.de/sind-sie-ein-workaholic .